3 Fragen an David Tassi
Drei neue Vorstandsmitglieder bedeuten drei neue Perspektiven auf unsere Arbeit. Im ersten Porträt antwortet David Tassi, Geschäftsführer ICT-Berufsbildung Zentralschweiz, auf unsere Fragen.
1. Was hat dich bewegt, dich für ICT Scouts im Vorstand zu engagieren? Oder was war der Moment, in dem du gesagt hast: ja, da mache ich mit?
Mich hat vor allem überzeugt, dass ICT Scouts sehr früh ansetzt. Wir reden in der ICT-Branche oft über Fachkräftemangel, über fehlende Talente und über zu wenig Nachwuchs. Aber wenn wir ehrlich sind, beginnt Talentförderung nicht erst bei der Lehrstellensuche. Sie beginnt viel früher, dort, wo junge Menschen entdecken, dass sie etwas können, das ihnen vielleicht vorher niemand zugetraut hat.
Ein persönlicher Moment war für mich auch die Verbindung zur Zentralschweiz. Ich durfte im Juni 2021 den CSS ICT Campus Luzern mitinitiieren. Zu sehen, wie junge Menschen plötzlich Zugang zu Informatik, Technik und kreativem Problemlösen finden, hat mich stark geprägt. Heute im Vorstand von ICT Scouts mitzuwirken, fühlt sich deshalb nicht wie ein neues Kapitel an, sondern wie eine konsequente Weiterführung dieser Überzeugung.
Ich mache mit, weil ich glaube, dass wir Talente nicht nur suchen dürfen. Wir müssen sie entdecken, begleiten und ihnen Räume geben, in denen sie wachsen können.
2. Du bist Geschäftsführer von ICT-Berufsbildung Zentralschweiz. Wo siehst du die Brücke zwischen dem, was wir mit 13- bis 16-Jährigen tun, und der Berufsbildung, in der du täglich unterwegs bist?
Die Brücke ist für mich sehr direkt. ICT Scouts weckt Interesse, entdeckt Potenzial und stärkt junge Menschen in einer Phase, in der sie oft noch gar nicht wissen, was beruflich alles möglich ist. Die Berufsbildung nimmt dieses Potenzial später auf und macht daraus einen konkreten Bildungsweg, eine berufliche Identität und im besten Fall eine langfristige Laufbahn in der ICT.
In der Berufsbildung sehe ich täglich, wie entscheidend frühe Erfahrungen sind. Wer schon mit 13, 14 oder 15 erlebt hat, dass Informatik nicht nur Bildschirm und Code bedeutet, sondern Kreativität, Logik, Teamarbeit und Problemlösung, kommt mit einem ganz anderen Selbstverständnis in die Berufswahl.
ICT Scouts und Berufsbildung gehören deshalb für mich zusammen. Das eine öffnet Türen, das andere macht den Weg begehbar.
3. Vibecoding und KI-Assistenten verändern gerade, was „Programmieren" bedeutet. Siehst du bereits Auswirkungen für die ICT-Ausbildungen? Oder werden gerade die Grundlagen wichtiger denn je?
Ja, ich sehe klare Veränderungen. KI-Assistenten und Vibecoding senken die Einstiegshürden enorm. Man kann heute sehr schnell etwas bauen, testen und sichtbar machen. Das ist grossartig, gerade für junge Menschen, weil sie rasch Erfolgserlebnisse haben und merken: Ich kann etwas erschaffen.
Aber genau deshalb werden die Grundlagen nicht weniger wichtig, sondern wichtiger. Wer nicht versteht, was im Hintergrund passiert, wird schnell zum Bediener eines Werkzeugs. Wer aber die Logik versteht, die Konzepte kennt und kritisch denken kann, nutzt KI als Verstärker.
Für die ICT-Ausbildung bedeutet das: Wir müssen jungen Menschen beides mitgeben. Die Freude am schnellen Ausprobieren und gleichzeitig ein solides Verständnis für Daten, Systeme, Sicherheit, Logik, Qualität und Verantwortung.
Ich glaube, die zentrale Kompetenz der Zukunft ist nicht mehr nur «Code schreiben». Es ist die Fähigkeit, Probleme sauber zu verstehen, gute Fragen zu stellen, technische Lösungen kritisch zu beurteilen und KI bewusst einzusetzen.
Bonus: Etwas über dich, was nicht im Lebenslauf zu finden ist?
Ich bin wahrscheinlich weniger der klassische Schreibtisch-Geschäftsführer, als man vielleicht erwarten würde. Ich mag es, wenn Dinge konkret werden. Wenn Räume entstehen, Teams wachsen, junge Menschen plötzlich über sich hinausgehen oder eine Idee vom Papier in die Realität kommt.
Was man im Lebenslauf auch nicht sieht: Ich habe eine grosse Schwäche für Menschen, die ihren eigenen Weg gehen. Nicht immer geradlinig, nicht immer perfekt, aber mit Haltung, Energie und echtem Willen. Vielleicht fasziniert mich deshalb die Berufsbildung so sehr. Sie zeigt immer wieder, dass Talent sehr unterschiedliche Formen haben kann.
Und ganz ehrlich: Ich bin jemand, der lieber etwas ausprobiert und daraus lernt, als jahrelang über die perfekte Lösung zu diskutieren.
Danke David!
--> Zu David auf LinkedIn
In den kommenden Monaten porträtieren wir unsere drei neuen Vorstandsmitglieder nacheinander.
Kurz, persönlich und mit Fragen, die uns als ICT Scouts wirklich beschäftigen.
Wer die drei sind, erfährt ihr hier --> LINK